„Couch in Concert“ – Hier die Gedichte

Nach der großartigen Veranstaltung „Couch in Concert“ erreichten uns immer wieder Anfragen: Wer hat die Gedichte geschrieben, wo können wir Sie nachlesen? Hiermit lüften wir nun das Geheimnis, das viele überraschen wird. Die Gedichte stammen aus der Feder von Elisabeth Miro. Die Psychotherapeutin moderierte den Abend. Da die Gedichte bislang nicht veröffentlicht wurden, haben wir Sie in diesen Text eingebettet. Hier kann man sie nun nachlesen.

 

Wahre Sieger 

Morgenstund hat Gold
Im Mund
So sagen sie
Doch frag ich mich
Was ist denn dann mit denen
Die knapp nur siegen, zweite sind
Die silbernen Medaille
Und deplatzierten Sieger
Was geht nur in den Köpfen vor
Wenn Goldmedaillen alles sind
Wenn Siegen mehr als Rücksicht zählt
Und noch mehr als Bedürfnis
So denke ich und frage dich
Und mittags dann erheb ich mich.

Perfektion

In Perfektion
versteck
ich
mich

Wie ein Chamäleon
fall ich meistens nicht mehr auf
Weil ihr alle hier zuhauf
In bunten Farben vor mir steht
Obwohl das keinen Sinn ergibt
In einem grünen Blattgebiet
Es ist absurd
Und doch bin ich
Der, der nicht spurt

Ich versteh ja was du sagst
Doch sagst du nicht was ich versteh
Wie kann es sein, dass ich trotz allem
Deinen Sinn in Dir nicht seh
Wie kann es sein, dass Du,
ganz wider der Natur
ihren Gesetzen nicht mehr folgst
Und ich der bin, der auf dem Holz
Ganz abseits steht
und dem die Orientierung fehlt
Auf seinem Weg

Das ist doch logisch
Oder nicht
Dass all das nicht mehr funktioniert?

Doch was bedeutet funktionieren
Und was heißt schon können
Wollen
Sollen
Meine bunten Farben
Sind doch nur
Reaktion auf eure Welt
In der ihr Blätter
Malt
Wies euch gefällt
Und plötzlich ist das grüne Tier
Schier
Fehl am Platz auf diesem Baum

Ich spiel das alles nicht mehr mit
Vielleicht
Denn wozu die Kraft noch grade reicht
Das male ich auf meine Haut
Und schau dich an
Solang
Ich
kann

 

Der Schreck 

Ganz plötzlich steht er da
Der Schreck
Fährt in meine Glieder
Verschmilzt mit Muskeln, Sehnen, Zellen
Hat sich eingezeckt

Saugt mein Blut, nährt sich von Pein
Parasitär ist sein Sein

Setzt Grenzen
Wo mal Freiheit war
Malt Bilder
Auf leere Wände
Voller Grauen und Zerstören
Kann ihn gar nicht überhören

So laut die Stimme, dröhnend, kräftig
Über-Sehend meine Wehr
Über-Steigend meine Kraft
Über-holend beim Versuch
Ihm zu entkommen
Hat er mir die Flucht genommen

Baut sich auf und stellt
Sich mir entgegen
Mächtig groß
Keine Chance, dass ich auch bloß
Ohne nicht das Haar zu lassen
Ihm entkomm
er lässt nicht los.

Oder aber flüstert leise
Zieht
Fiese, tiefe Sorgenkreise
Die sich zäh und schnell auch drehen
Schlingend, ringend, fester ziehen
Bis ich keine Luft mehr krieg
Und er wieder einmal siegt

So könnt es enden
Der Schreck würd siegen
Und ich meiner Angst erliegen
Doch gibt es etwas
Auch in  mir
Das sich dem Entstellten
stellt
Und bei Angst den Stand behält
Zwar zitternd noch
Und staunend auch
Die Stimme nur ein Hauch
Spricht der Mut zum Schreck
Und dann – ist er weg.

 

Alles eins

Das alte und das neue streiten
Zanken, kämpfen, weinen, leiden
Eines mächtig, zeitlos, tief
Das andre zart erst
vorsichtig

Und beide können, wollen, müssen
Sich beweisen, siegen, sprießen
Das Alte spricht: so war es immer
Das neue will nicht, treibt es schlimmer
Rebellisch und auch aufmüpfig
Flink, klug und dann
ganz fürsorglich

Das lässt das Alte stutzig werden
Stoppt das zeitlose Gebärden
Schaut staunend zu und
lässt gewähren

So dass das Neue wachsen kann
Wurzeln treibt
Und blühend dann
Das Alte wundersam umschließt
Und alles jetzt zusammenfließt

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