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Ihnen kann man immer wieder zuhören, wenn die beiden renommierten Schauspieler Barbara Auer und Walter Sittler vorlesen. Innerhalb von wenigen Minuten – oder waren es vielleicht auch nur Sekunden? – ziehen die beiden TV-Lieblinge die Zuschauer in den Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf (1943 – 2014) hinein. Ja, neben dem Zuhören gab es auch etwas zu sehen. Die beiden saßen auf der Bühne hinter einem Tisch, aber mit ihrer Gestik und Mimik unterstrichen sie großartig die gesprochenen Worte. Daher war es kein Wunder, dass das LEO bereits in kürzester Zeit ausverkauft war.

Das Schauspieler-Duo lässt die beiden Hauptfiguren, die verwitweten Nachbarn Addi und Louis, in der szenischen Lesung nach wenigen Worten lebendig im LEO Theater erscheinen. Eigentlich sind sie nur verbal da, aber eigentlich sieht sie jeder direkt vor sich und lässt sich von ihren Leben gefangen nehmen. So, als ob Addi und Louis wirklich mit dabei wären. Aber nicht nur die beiden Hauptfiguren erobern die Bühne, nein – es sind nur Auer und Sittler sichtbar, aber auf der Bühne erlebt man ein lebhaftes Gespräch mit drei Personen und einem beruhigenden Erzähler/in. Da kann man noch so oft zählen, es bleiben die beiden Schauspieler, die von Satz zu Satz in eine weitere Person wechseln. Es ist faszinierend zu beobachten, wie spielerisch die beiden die Zuhörer bei dem spontanen Wechsel mitnehmen. Niemand verliert den Überblick – es sind einfach auf einmal viele fiktive Personen auf der Bühne. Er spielt ihren Sohn, sie seine Tochter. Es ist mehr als nur eine Lesung – es ist ein Erlebnis.

Die Zuhörer verfolgen das Leben, die Gedanken, die Ängste, die Freude, die Trauer der beiden Nachbarn in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Gemeinsam denkt man an die Zukunft. Es bleibt in Gedanken der Zuhörer Platz für ein eigenes Bild – die Figuren sind herrlich konkret unkonkret und mit den dezent gesetzten Hinweisen kann jeder sich seine Vision erschaffen und sich Tipps für seine eigene Zukunft holen.

In der Pause waren Addi und Louis selbstverständlich ebenfalls die Hauptpersonen und einige Zuhörer fingen an zu rechnen. Wie alt mögen die beiden sein? Mit 20 wurde sie schwanger… – er war 40 Jahre im Schuldienst. Sittler verriet im Gespräch: „Sie müssen Ende 60, Anfang 70 sein – es ist nicht genau datiert – man kann es nur rechnen – eigentlich genau wie Barbara und ich.“ und fügt lächelnd hinzu „und trotzdem sind die beiden noch wach und am Leben.“ Er erklärt: „die Sprache ist hier nicht kompliziert – aber so inhaltsreich.“ Am heutigen Abend sei es die 25. Vorstellung gewesen (mit Corona bedingter Pause) und es habe viele Menschen berührt – darunter auch die LEO Besucher.

Stimmen aus dem Publikum:


„Ich sag nur GRANDIOS“ und Andrea Dieckhöffer extra aus Leer (Ostfriesland) angereist fügt dann doch noch hinzu „ich habe Walter (Sittler) schon auf vielen Bühnen gesehen – aber hier im LEO ist es herrlich – so richtig gemütlich und familiär. Eine tolle Atmosphäre. Die Fahrt hat sich gelohnt.“

Michael Tillmann (54, Ennepetal), der im LEO in der ersten Reihe saß: „Man kennt sie ja aus dem Fernsehen. Aber das hier ist schöner als im Fernsehen. Wie die innerhalb einer Minute Stimmung aufbauen können – einfach toll – das schafft ein Film nicht so schnell!“

Sonja Förg (66, Wuppertal), die keine Pause gebraucht hätte: „Es ist total erstaunlich, wie zwei Personen mit einfachen Mitteln einen in den Bann ziehen können. Was für Effekte! Es ist so einfach den Personen zu folgen.“

„Die Darbietung ist super. Es sind tolle Schauspieler mit ganz tollen Stimmen.“, so Dagmar Behrens (66, Wuppertal), die die familiäre Atmosphäre zudem im LEO zu schätzen weiß.

„Wir treffen uns regelmäßig, machen was Schönes zusammen. Schenken uns Zeit.“ so die drei Damen Nicola (Essen), Dagmar (Schwelm) und Astrid (Wuppertal), die mit der Eintrittskarte zum Ü60 Geburtstag überrascht wurde und urteilt:„Haben die beiden richtig gut ausgesucht! Ich habe sowas (eine szenische Lesung) noch nie gesehen – gefällt mir aber richtig gut in der Form.“
Nicola sinniert „Tolles Thema – Es ist mutig zu sagen, dass man einsam ist, wenn man nicht mehr taufrisch ist. Ich weiß nicht, ob ich das so könnte – zu sagen: Ich hab da mal eine Idee. Total stark!“

Barbara (54, Ennepetal) stellt fest: „Ich hatte das so nicht erwartet. Es hat Hörbuchcharakter – fängt einen ein. Der Inhalt ist gut.“

Heiner (68, Wuppertal): „Das Stück gefällt mir – und die beiden, die es vortragen – die Art und die Texte. Ich habe mich überraschen lassen – gelungen.“

Martin Müller, der das Ehepaar Sittler von dem Projekt „199 kleine Helden“ aus Guatemala kannte und selbst bei Amigos para las Escuelas Ixiles (www.apei.de) engagiert ist, freute sich über das Wiedersehen „ Es war wunderbar, obwohl die Geschichte etwas traurig ist. Einsamkeit ist eine schlechte Voraussetzung für eine neue Beziehung“ und fand „Man muss alleine leben können, um eine neue Beziehung eingehen zu können. Wenn ich das kann, dann bleibt die Unabhängigkeit bestehen ohne das Abhängigkeit entsteht.“

Bettina Diehr (Dinslaken) lacht: „Viele sagen, ich habe mehr Lesungen gesehen, als überhaupt gegeben wurden – aber das hier war einmalig gut.“

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