„Couch in Concert“ im LEO: Emotional, offen und mutig

Offen, authentisch, mutig – das war „Couch in Concert“. Lea Bergen, die Schwelmer Musikerin und den LEO Besuchern von ihren Mitsingkonzerten „Schwelm singt“ bekannt, hatte mit ihrer Schulfreundin und Psychotherapeutin Elisabeth Miro das Konzept des Abends entwickelt. Für Theaterchef Andreas Winkelsträter war es eine Selbstverständlichkeit für einen musikalischen Informationsabend über mentale Gesundheit das LEO zur Verfügung zu stellen. Er sei als Arbeitgeber ebenfalls bereits mit dem Thema Depression in Berührung gekommen: „Da muss man sich erstmal schlau machen, wie man sich jetzt am besten gegenüber dem Mitarbeiter verhält.“ Depressionen, Panik-Attacken, Autismus, ADHS,-  irgendwie hat jeder bereits davon gehört – aber es hat keine Öffentlichkeit. Es ist stigmatisiert. Dies sollte sich an dem Abend ändern.

Lea Bergen verriet „Lotte (Anmerkung Elisabeth Miro) hat die Ahnung, ich die Krankheit“ – und Elisabeth Miro hat sehr viel Ahnung und genau das richtige Händchen, um einfühlsam, respektvoll durch den Abend zu begleiten. Nicht nur ihre vorgetragenen Gedichte saßen auf dem Punkt. Da durften auch Emotionen gezeigt werden, wenn die eingeladenen Musiker über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit oder mit ihren „angeborenen Spezialitäten“ berichteten.

Andrang war sehr groß – Theater ausverkauft

Elisabeth Miro gab in dem ausverkauften LEO Theater (300 Personen) jedem Gesprächspartner und dem Publikum den notwendigen Raum und Sicherheit. Schnell war der gesamte Saal in einem gemeinschaftlichen Du vereint und verfolgte gespannt, was es im Detail heißen kann, wenn jemand von jetzt auf gleich von einer Panik-Attacke überfallen werden kann oder als Autist durchs Leben geht. Es war nichts „gescriptet“. Es gab nur drei große Themenblöcke – „Therapierbare Erkrankungen (Beispiel: Panik-Attacken, Depressionen, Ängste)“, „Neurodivergenzen, Menschen, die Dinge anders wahrnehmen“ (Beispiel: Autismus, AHDS) und „Wie geht man als Angehöriger mit der Thematik um?“

Hier ging es nicht um Vollständigkeit, sondern darum, „Mauern einzureißen, Verständnis zu wecken, das Thema an die Öffentlichkeit bringen und auf sich selbst zu achten.“, so der einstimmige Appell. Die Psychotherapeutin klärte bzgl. Autismus auf: „Kennst du einen Autisten, dann kennst du genau einen Autisten.“ Sie betonte, gerade in dem Gebiet gebe es sehr individuelle Ausprägungen. Sänger Fabian Stumpf berichtete, „ich werde von Reizen überschüttet und mir ist alles zu laut.“ So sehr er als Künstler den Applaus liebe, aber es überfordere ihn und seine Partnerin müsse es am nächsten Tag ausbaden: „Psssst – bitte nicht so laut.“ – sein individueller Tipp: Professionelle Ohrstöpsel – um die Geräusche zu dämpfen.

Oft wurde als Veranschaulichung der anderen Denkweise das Bild eines Fasses gewählt, in das alles hineinkommt, aber es sind keine Siebe da, die die Reize reduzieren / verarbeiten und zu guter Letzt durch den Fassboden tröpfeln. Es staue sich einfach alles auf. Andere sprachen von Filter, die von jetzt auf gleich nicht mehr da seien und man alles – aber wirklich alles in seiner Umgebung wahrnehme – fällt in der hintersten Reihe ein Taschentuch wäre es genauso wichtig, wie das Zusammenspiel auf der Bühne. Einkaufen – für den täglichen Bedarf – kann hier bereits aufgrund der vielen Informationen in den Regalen – eine Panik-Attacke auslösen. Panik-Attacken wurden beschrieben als: „warm und schwindelig“ – und „du weißt, da ist da was, was da nicht hingehört.“ Bassist Armin Alic erzählte „mit meiner ersten Panik-Attacke habe ich noch ein zweistündiges Konzert vor 700 Besuchern in Berlin gespielt – es ging ja nicht ohne mich.“ Aber dann ging gar nichts mehr und jetzt müsse man lernen, die Ansätze aus der Therapie in den Alltag zu integrieren. Lea hatte den Tipp: „Ich brauche kein ruhiges Nervenkostüm, sondern ein flexibles. Mein Leben ist stressig, aber ich brauche auch dann wieder ruhigere Phasen.“

Grandiose Musiker reißen das Publikum mit

Neben den Gesprächen auf der Couch – gab es selbstverständlich auch das Concert. Die eigens für den Abend zusammengestellte Band von Betroffenen – alle mit Lea Bergen befreundet – spielte passend zur „Mentalen Gesundheit“, bekannte und unbekannte Stücke. Zur Band gehörten: Armin Alic, Dennis Kresin, Fabian Stumpf, Florian Zeitler – alles Profis in ihrem Fach und in dem Zusammenspiel „echt krass gut“, wie das Publikum mit tosendem Applaus bestätigte.

Die Musik tat allen gut und war ein Genuss für die Ohren. Es war ein intensiver vielfältiger Abend mit Tiefgang, der im Foyer durch einen Infostand und Ansprechpartnern des Sozialpsychiatrischen Dienstes abgerundet wurde. Es gab die Möglichkeit im Vorfeld beim Ticketkauf, ein „Social Ticket zu kaufen und dadurch einem anderen Besucher einen ermäßigten Eintritt zu erlauben. Dieser soziale Gedanke wurde rege von den Besuchern unterstützt, aber kaum in Anspruch genommen. So kam dann ein Betrag von 460 € Euro für die Schwelmer Tafel zusammen, den das LEO auf 600 € aufgestockt hat.

Kontaktmöglichkeiten:
Sozialpsychiatrischer Dienst
Details – Ennepe Ruhr Kreis
Ennepe-Ruhr-Kreis

Hauptstraße 92
58332 Schwelm
Telefon:02336/93 0
verwaltung(@)en-kreis.de

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